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Sowie zahlreiche weitere
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‹Faust 1›, Foto: Georg Tedeschi

ProgrammZeitung 3/2016, S. 15

Liebt das Böse – gut!*

Dagmar Brunner

In Dornach kommt Goethes ‹Faust› ungekürzt auf die Bühne.

Über sechzig Jahre seines 83-jährigen Lebens hat sich Johann Wolfgang Goethe mit dem ‹Faust› beschäftigt, ab 1770 bis 1832. 1808 erschien der erste Teil seiner Tragödie, kurz nach seinem Tod 1832 der zweite Teil. Inspiriert wurde der Dichter u.a. von einem historischen Stoff, der bereits zu seiner Zeit populär war: dem Schicksal des Wanderarztes, Philosophen und Wahrsagers Johann Georg Faust (1480 bis ca. 1540), der angeblich bei
alchemistischen Experimenten ums Leben kam – übrigens unweit von Basel, im Gasthof zum Löwen in Staufen. Zudem bewegte Goethe die Hinrichtung einer Kindsmörderin, die er vermutlich selbst miterlebt hatte. Und natürlich verwob er weitere Lektüren, Erfahrungen und Erkenntnisse in das Drama, das heute zu den meistzitierten Werken der deutschsprachigen Literatur und zu den bestbesuchten Theaterstücken gehört.

Lebensdrama.

Was macht diesen Stoff denn so attraktiv? Der ‹Faust› enthält zunächst einfach alle Bestandteile einer guten Story: Spannung, Tiefe, Emotionalität. Er behandelt die ‹Letzten Fragen›: Wahrheit, Willensfreiheit, Verantwortung, Gut und Böse. Es geht um Wissenschaft und Kunst, Geld und Macht, Magie und Religion, Liebe und Verrat, Mord und Wahnsinn, Schuld und Erlösung, kurz: um Himmel und Hölle. Und das alles relativ dicht in über 12’000 Versen auf rund 420 Seiten (meiner Buchausgabe). Jeder Mensch kann sich in diesem Lebensdrama wiederfinden, im Lieben und Kämpfen, im Scheitern und Leiden. Dies alles wollte Goethe sinnlich zeigen und bat um «Courage, sich ergötzen, rühren und erheben, belehren, entflammen und ermutigen zu lassen» (zu Eckermann, 1827).
Dies will auch die Goetheanum-Bühne, die nun über Ostern und an fünf weiteren Tagungen den gesamten ‹Faust› (1 & 2) ungekürzt in über 18 Spielstunden präsentiert (mit Simultan-Übersetzungen in diverse Sprachen). 1938 erstmals unter der Regie von Marie Steiner am Haus (ur-)aufgeführt, wurde das Stück seither 74 Mal gespielt. Die Texttreue ist geblieben, und auch in der aktuellen Fassung, inszeniert von Christian Peter, kommen Schauspiel, Eurythmie, Licht, Farbe und Musik wirkungsvoll zum Einsatz; zudem treten die über 40 Mitwirkenden in mehr als 600 Kostümen auf ...
Wer eine intimere und ältere Version des ‹Doktor Faust› vorzieht, ist im Basler Marionettentheater gut bedient. Und in Aarau lädt das Forum Schlossplatz ganz ungeniert ‹In Teufels Küche› ein.

*Zitat aus einem Gedicht von Christian Morgenstern


Goethe, ‹Faust›, Teile I und II: Fr 25. bis So 27.3., Goetheanum, Dornach, faust2016.ch
‹Das alte Puppenspiel vom Doktor Faust›: Fr 8./Sa 9.4., 20 h, und
So 10.4., 17 h,
Basler Marionettentheater, Münsterplatz 8, www.bmtheater.ch
Ausstellung ‹In Teufels Küche. Abwehrmethoden gegen das Böse›: Fr 18.3., 18.30 (Vernissage), bis So 29.5., Forum Schlossplatz, Aarau, www.forumschlossplatz.ch

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Eine lehrreiche Erkundung unseres Hörsinns.