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Richard Wherlock leitet seit 20 Jahren das Ballett Theater Basel, Foto: Christian Knörr

ProgrammZeitung aus dem Aprilheft 2021, S. 16/17

«Tanz ist ein wunderschönes

Kommunikationsmittel»

Sabine Knosala

Eloquent, «down to earth» (bodenständig) und stets mit allen per Du: Das ist Richard Wherlock, der seit 20 Jahren das Ballett des Theaters Basel leitet. Die Programm- Zeitung hat den gebürtigen Briten zu seinem Jubiläum interviewt.


Du stammst nicht aus einer Ballettfamilie. Bist du ein zweiter Billy Elliot?
Richard Wherlock: Ja, oder vielleicht der erste (lacht). Ich bin sehr früh von zu Hause weg, habe beruflich zuerst andere Dinge gemacht. Dadurch kam ich auf die Idee, richtig tanzen zu lernen. In einem Tanzmagazin sah ich ein Inserat für eine Audition für die Ballet Rambert School London. Ich hatte nicht so viel Erfahrung mit klassischem Ballett, war aber sehr lebendig und beweglich. Dadurch fiel ich auf und wurde angenommen. Nach zwei Jahren Ausbildung wusste ich: That’s it, ich bin in der Tanzwelt, wo ich wirklich sein will!  

Wie haben deine Eltern auf deinen Berufswunsch reagiert?In meiner Familie sind alle Bergarbeiter und Seeleute. Darum habe auch ich mir als Jugendlicher ein Anker-Tattoo stechen lassen. Mein Berufswunsch war für meine Familie inakzeptabel. Es war ein lebenslanger Kampf und das noch als Einzelkind.  

Was macht für dich die Faszination des Balletts aus?
Tanz ist ein wunderschönes Kommunikationsmittel: Man kann Romeo und Julia spielen in Kairo oder in Island und braucht dafür keine Worte. Tanz kann Grenzen überwinden und kann heilen. Er ist gut für den Geist, den Körper und die Kommunikation. Ich sage immer: Jeder kann tanzen, aber nicht jeder kann damit Geld verdienen. 

Mit welchen Klischees wurdest du im Laufe deines Berufslebens konfrontiert?
Oft werde ich gefragt, was ich als Tänzer denn tagsüber mache ... Ein anderes Klischee ist natürlich, ob ich schwul bin: Wenn ich einer Gruppe Männer sage, ich sei Tänzer, weichen alle ein paar Schritte zurück. Wenn ich dann erzähle, dass ich verheiratet bin und Kinder habe, kommen sie wieder näher und sind plötzlich sehr interessiert. 

Wie gehst du damit um?
Diversität war für mich immer ein absolutes Muss: 1991 habe ich für das Ballett im deutschen Hagen den ersten schwarzen Tänzer engagiert, und er hat wirklich Probleme gehabt auf der Strasse – ob jetzt, weil er schwarz oder ein Tänzer war, sei dahingestellt. Mir ist es egal, ob jemand schwul ist oder schwarz oder jüdisch. Das ist meine Philosophie. Wenn du gut tanzen kannst, dann kannst du gut tanzen. Ich sage das jede Spielzeit: Es geht nur über Respekt.

Du bist seit 20 Jahren Ballettdirektor am Theater Basel. Dachtest du 2001 schon, dass du so lange bleiben würdest?Nein. 

Was brachte dich damals nach Basel?
Ich hatte damals einen längeren Vertrag als Ballettdirektor in Berlin, aber nach drei Jahren habe ich gemerkt, dass wir künstlerisch nicht weiterkommen. Es fehlte eine gemeinsame Strategie. Zur gleichen Zeit habe ich hier in der Schweiz einen Film gedreht: An der Premiere fragte mich der damalige Intendant des Theaters Basel Michael Schindhelm, ob ich nicht Lust hätte nach Basel zu kommen. Toll war, dass ich damals eine Carte blanche erhalten habe, um eine Compagnie neu aufzubauen. Ich konnte die Tänzerinnen und Tänzer sowie die künstlerische Richtung auswählen.

Was machst du heute anders als vor 20 Jahren?
Ich bin heute inside und outside ruhiger geworden. Früher habe ich als Gastchoreograf auf der ganzen Welt gearbeitet. Dann kam eine Phase, in der ich mir gesagt habe: Mich interessiert ein Investment in eine Compagnie. Heute stehe ich nicht mehr im Wettbewerb mit anderen Choreografen. Mein Wettbewerb ist es nun, meine Compagnie auf ein Weltniveau zu bringen. 

Wenn du in Interviews nach deinem persönlichen Stil als Choreograf gefragt wirst, weichst du häufig aus. Welche Beschreibung von anderen trifft denn am besten auf dich zu?
Eigentlich keine. 

Gut, dann versuche ich es jetzt auch nochmals: Wie würdest du in deinen eigenen Worten deinen Stil beschreiben?
Ein Beispiel: Wenn es heisst, ich soll mich von einer Stelle zu einer anderen bewegen, dann muss ich immer etwas Neues erfinden, bin aber dabei immer sehr im Moment. Damit gehe ich meiner Assistenz ziemlich auf die Nerven, denn wenn ich es später wiederholen soll, kann ich es oft gar nicht. Es passiert spontan. Oft ist die erste Version die beste.

Wie hat sich die Tanzszene seit 2001 weiterentwickelt?
Der Tanz hat heute eine bessere Lobby als früher. Bei meinem ersten Engagement vor mehreren Jahrzehnten durfte ich neben Operetten, Musicals und Nachtcafés nur gerade einen Ballettabend organisieren. Das habe ich dann später geändert. Ich habe immer gegen das Stigma gekämpft, dass Ballett nicht nur ein Ersatzteil für Oper und Operette ist. Ich und andere Choreografen haben das nun geschafft. Darauf bin ich sehr, sehr stolz. In der Zwischenzeit gibt es ja sogar Crossover-Produktionen: Ballett-Choreografen werden auch fürs Schauspiel oder die Oper geholt. Und die Choreografie hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Das ist aufregend!

Du sagtest einmal, die Akzeptanz des Tanzes sei ein Kampf. Ist das heute nicht mehr so?
Jetzt steht der nächste Kampf an, den Tänzerinnen und Tänzern Sicherheit zu geben. Jemand, der ein Drei-Sparten-Haus leitet, sollte Tanz, Schauspiel und Oper gleichwertig behandeln. Wir haben jetzt hier in Basel einen Theaterdirektor, der wirklich an diese drei Sparten glaubt.

Benedikt von Peter ist bereits der vierte Intendant, den du am Theater Basel erlebst. Wie läuft die Zusammenarbeit mit ihm?
Er steht für Fairness, Transparenz und Kommunikation. Benedikt von Peter ist nicht nur Intendant, sondern selber auch Künstler und künstlerischer Leiter der Oper. Er ist ein Workaholic, der das Theater mit neuen Ideen voranbringen will. 

Was hat sich für das Ballett des Theaters Basel in den letzten 20 Jahren verändert?
Früher hiess es Ballett Basel. Das klang sehr schweizerisch und war wie ein Label. Unter Intendant Andreas Beck bekamen wir einen neuen Namen: Ballett Theater Basel. Dadurch haben wir unsere Identität, unseren Markennamen, den wir in der Tanzszene etabliert hatten, verloren. Das war hart – besonders für die Tänzerinnen und Tänzer.

Wie ist es jetzt?
Wir sind es nun gewohnt, no problem. Wir haben unseren neuen Namen wieder ins Geschäft gebracht.

Die Ansprüche der Tanzenden stimmen nicht immer mit denjenigen des Publikums überein. Oft streben die Tän-
zerinnen und Tänzer nach Innovation, während die Zuschauerinnen und Zuschauer konservativer in ihren Wünschen sind. Wie gehst du mit diesem Widerspruch um?
Die Tänzer sind hungrig. Auch das Publikum ist hungrig, aber es braucht manchmal ein wenig Support. Daher muss man clever sein. Wenn man an einen neuen Ort geht, sollte man zuerst das Vertrauen des Publikums gewinnen, indem man sich informiert, was es bisher an diesem Ort gab, und sich dann überlegt, wie die Zukunft aussehen könnte. Später sollte man konsequent das bringen, was das Publikum mag, aber mit einem «contemporary view» (zeitgenössischen Blick). Weiter muss das Timing stimmen und die Produktion muss an das betreffende Publikum angepasst sein: Auf der kleinen Bühne ist es beispielsweise ein ganz anderes als auf der grossen Bühne. 

Was ist dir bei der Leitung der Compagnie wichtig?
Meine Aufgaben sind es, der Jugend beim Einstieg in die Ballettwelt zu helfen, die etablierten Tänzerinnen und Tänzer zu motivieren und zu inspirieren und am Ende einer Tanzkarriere die Möglichkeit für die nächste Berufslaufbahn zu geben. 

Du hast 2019 am Theater Basel einen Umschulungs- und Unterstützungsfonds für ehemalige Mitglieder der Tanzkompanie gegründet. Warum braucht es das?
Im Ballett ist es ein wenig wie im Fussball: Mit etwa 35 Jahren ist die Karriere vorbei. Daher wollte ich so einen Fonds schon seit Jahren haben. Er finanziert sich durch verkaufte Eintrittskarten: Pro Ticket sind das 50 Rappen. Im Moment ist der Pott leider wegen Corona leer. An sich ist es aber ein Supersystem, denn es gibt den Tanzenden Motivation und es zeigt ihnen, dass der Ballettdirektor für sie da ist. Viele ehemalige Tänzerinnen und Tänzer haben innerhalb des Theaters Basel bereits neue Jobs gefunden – zum Beispiel als Ballettmeister, Inspizient oder in der Finanzdirektion. Andere wollen ausserhalb des Theaters etwas Neues finden.

Apropos Corona. Wie probt das Ballett unter Pandemiebedingungen?
Fast wie normal. Nach der ersten Welle haben wir in Viererteams wieder mit Proben angefangen. Jetzt können wir im Tanzstudio ohne Maske arbeiten. Wir vom Ballett vermischen uns nicht mit den anderen Leuten im Haus. Wir sind etwa 45 Personen in unserer Bubble. Dazu kommen ein- bis zweimal pro Woche Schnelltests, und es wird regelmässig gelüftet und desinfiziert. Wir hatten auch Glück: Für unsere neue Produktion «Gloria», die im Mai Premiere feiert, machen wir unser Bühnenbild selbst. Das war vielleicht Schicksal.

Wenn es eine Öffnung im April gibt, könntet ihr also loslegen?
Wir sind bereit. Mit einem Fingerschnippen könnten wir drei verschiedene Stücke auf die Bühne bringen. Das würden wir auch für 50 Zuschauerinnen und Zuschauer tun. Es ist intern so wichtig. Das Ballettensemble leidet unter den 3 «f» – «fatigue, frustration and famine for the stage» (Ermüdung, Frustration und Hunger nach der Bühne).

Du hast seit 2017 den Schweizer Pass. Wie lange bleibst du dem Theater Basel erhalten?
Irgendwann möchte ich stoppen und meine gesammelte Erfahrung an junge Leute übergeben. 

Hast du dir schon einen Termin gesetzt?
Ich bin in dauerndem Austausch mit Benedikt von Peter. Ich lasse es auf mich zukommen und wir entscheiden dann gemeinsam.


www.theater-basel.ch

Zur Person:

Richard Wherlock wurde 1958 in Bristol, Grossbritannien, geboren. Nach einem Studium an der Ballet Rambert School London war er zuerst als Tänzer tätig. Später arbeitete er als Ballettdirektor in Deutschland (Hagen, Berlin) und in der Schweiz (Luzern). Seit 2001/2002 ist er Direktor und Chefchoreograf des Ballett Theater Basel. Daneben übernahm er zahlreiche Ämter in der Tanzszene wie beispielsweise als Intendant des Festivals «Basel tanzt» oder als Jurymitglied bei internationalen Tanzwettbewerben. 2013 widmete die Stadt Basel ihm eine Ehrentafel am Spalenberger «walk of fame». Wherlock ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen. 




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