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Sowie zahlreiche weitere
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Ludwig van Beethoven, Quelle: Library of Congress, Reproduction Number: LC-USZ62-29499

ProgrammZeitung aus dem Oktoberheft 2020, S. 10

Um diese Musik kommt niemand herum!

Thomas Meyer

Dieses Jahr wird der 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens gefeiert. Seine neun Sinfonien haben noch heute eine immense Bedeutung.

Beethovens neun Sinfonien seien «wie Dostojewskis grosse Romane: Elefanten, unüberhörbar, unausweichlich, Giganten im Musikdschungel», hiess es kürzlich in einer Sendung auf SRF 2 Kultur. Tatsächlich ist kein Komponist in den zwei Jahrhunderten seither darum herumgekom-men: Alle mussten sich mit ihnen auseinandersetzen. Brahms etwa rang lange mit der Form der Sinfonie. Ihm schien, als schaue ihm ständig ein Gigant über die Schultern. Auch andere Komponisten spürten diesen Schatten hinter sich.

Grundsätzliche Fragen.

Beethovens Sinfonien konfrontierten mit grundsätzlichen Fragen: Die «Pastorale» stellte die Frage nach der Pro-grammmusik. Die heldenhafte Dritte und die schicksals-hafte Fünfte (so die Klischees der Rezeption) forderten zu einem Engagement heraus. Erst recht war die Neunte mit dem Chorfinale und ihrer menschheitsumfassenden Botschaft («Alle Menschen werden Brüder»/«Seid umschlungen, Millionen!») eine Zumutung. Was wollte man danach noch komponieren, zumal die Öffentlichkeit und auch die Politik von einer Neunten nun Grosses, ja Grandioses erwarteten? Schostakowitsch entzog sich diesbezüglich Stalins Wünschen auf elegante Weise. Schliesslich brachte selbst die nur in Skizzen vorhandene Zehnte die Nachfolger in Verlegenheit. Etliche von ihnen brachten es nicht über die Neunte hinaus. Die Zahl lag wie ein Bann über der Sinfonik.

Grosses Erbe.

Ein grosses, aber schwieriges Erbe also. Darüber hinaus allerdings scheint der Vergleich mit den Elefanten ungenügend. Wir wissen zwar, dass diese schwerfällig wirkenden Dickhäuter rennen, ja sogar tanzen, aber ob sie es dabei mit der Agilität der Beethoven’schen Musik aufnehmen können? Denn dort steckt der Beweggrund dieser Sinfonien: In ihrer musikalischen Vitalität und Dringlichkeit. Lange haben Diri­genten das Feierliche, Heldenhafte, Grandiose an dieser Musik hervorgehoben. Es war das Verdienst der authentischen Aufführungspraxis nach 1980, von Dirigenten wie Christopher Hogwood oder Nikolaus Harnoncourt, dass sie die besondere Klanglichkeit wieder schärften, die schöne Oberfläche aufbrachen, die Schroffheiten und die ungemeine rhythmische Impulsivität betonten, schliesslich auch die raschen Tempi wieder anstrebten. Auf einmal wurde die triebhafte, beunru-higende Energie dieser Musik wieder erlebbar. Auch das ist schon wieder Historie: Die Erkenntnisse daraus wurden von einer jüngeren Generation aufgegriffen und weitergeführt – mal mit dem modernen Orchester wie etwa in der wunder-baren Einspielung des Tonhalle-Orchesters Zürich unter David Zinman, mal etwas kantiger wie beim Kammer-orchester Basel unter Giovanni Antonini. Mag sein, dass er auf Komponistinnen und Komponisten von heute nicht mehr so furchteinflössend wirkt, doch muss jede Musiker-generation ihren Beethoven wieder aufs Neue finden.

• Swiss Foundation for Young Musicians, «Ein Fest für Ludwig»:  

    Beethovens Klaviersonaten 1–32, So 11. bis So 18.10.,
    19.30 (sonntags 17 h), Oetlingerstr. 25, Basel, 
    www.foryoungmusicians.ch

• Kammermusik um halb acht, «Beethoven Abend»:
    mit Guarneri  Trio Prague, Do 22.10., 19.30, Stadtcasino Basel,
    www.khalbacht.com

 

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