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V.S. aus Gattikon

 

Sowie zahlreiche weitere
anonyme Spenderinnen und Spender

 

Autonomes Jugendzentrum AJZ beim Hauptbahnhof Zürich, Sozialarchiv Zürich

ProgrammZeitung aus dem Juniheft 2020, S. 19

Punk, Poesie und Polizei

Dagmar Brunner

Vor 40 Jahren wurde die Schweizer Gesellschaft von der «Bewegung» erschüttert. Sie wollte «alles und subito».

Die Sprüche zieren noch heute WG-Küchen oder stille Örtchen: «Macht aus dem Staat Gurkensalat», «Tragt die Alpen ab – Freie Sicht aufs Mittelmeer» oder «Schmelzt das Packeis – Freiheit für Grönland». Fantasievoll, frivol und absurd poetisch erinnern sie an eine kurze Epoche, die nicht nur in Zürich Spuren hinterliess, Gewalt und Chaos, aber auch Veränderungen mit sich brachte und international für Schlagzeilen sorgte. Es war die Zeit der «Bewegung», die spätestens im Mai 1980 anlässlich von umstrittenen Kulturausgaben (einem 60-Millionen-Kredit fürs Opernhaus) ins breitere Bewusstsein rückte, rund ein Jahr lang die bürgerliche Öffentlichkeit schockierte, Behörden und Politik auf Trab hielt.

Dass diese Bewegung namenlos blieb, weder Leitung noch Mitgliedschaft kannte, kein fixes Programm hatte, spontan und «irrational» agierte, machte sie schwer fassbar. Auch die Bezeichnung Jugendbewegung wurde ihr nicht gerecht, waren ihre Aktiven doch meist über 20 Jahre alt. Wie schaffte sie es aber, so viele Menschen zu befeuern? Worauf gründete sie? Wer waren die Mitwirkenden? Was waren ihre Anliegen? Und was erreichte sie?

Reportagen und Porträts.
Das Buch eines ehemaligen Aktivisten gibt Auskunft, sein Titel ist ein legendäres chinesisches Sprichwort: «Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom». Nicolas Lindt (geboren 1954), einst Musikjournalist, Tagesschau-Reporter und Gerichtskolumnist, heute als freier Autor und Gestalter von Ritualen (Taufen, Trauungen, Abdankungen) tätig, ist nochmals in die für ihn prägende Zeit von «Züri brännt» eingetaucht und hat seine Porträts und Reportagen aus der «Bewegung» überarbeitet und mit aktuellen Bezügen ergänzt.

Nach einer Chronologie der Ereignisse, die mit dem Zürcher Konzert der Rolling Stones 1967 beginnt, auf die «Opernhaus-Krawalle» am 30. Mai 1981 fokussiert und mit dem Abbruch des Autonomen Jugendzentrums (AJZ) 1982 endet, beleuchten 15 Texte markante Aspekte, Schauplätze und ProtagonistInnen, darunter die unfreiwillige TV-Satire mit «Herr und Frau Müller», die tragische Selbstverbrennung der jungen Silvia Z., der Schauprozess gegen die «Ökoterroristen» Marco und René, den Start des alternativen Radiosenders «LoRa».

Ein- und Ausblicke.

Im zweiten Teil des Buches geben zehn damals geführte Interviews mit «Bewegten» zwischen 16 und 39 Jahren Einblick in mannigfaltige Lebenswelten und zeichnen ein vielschichtiges Bild des Geschehens, das so ultimativ wie mehrdeutig «Freiräume statt Sachzwänge» forderte. Beschönigt wird nichts, es gab Demos und Hausbesetzun- gen, Drogen und soziale Probleme, Gewaltexzesse auch vonseiten der Polizei. Aber ebenso gab es Solidarität und Kreativität, Gemeinschaft und Unabhängigkeit, Leiden- schaft und Lebenslust: ein Erfahrungskapital, das viele nachhaltig bereicherte.

Ein Gespräch mit einem Ehemaligen thematisiert die Auswirkungen der Proteste sowie die Unterschiede zu heutigen Bewegungen, der Autor bilanziert selbstkritisch das Erlebte «40 Jahre danach», und ein hilfreiches Glossar rundet das Buch ab. Es dokumentiert eindrücklich jüngere Schweizer Sozialgeschichte und den Kampf um Autonomie, ein würdiges Dasein. Oder wie eine junge Aktivistin es ausdrückte, um «... einfach nur Mensch sein zu können».

• Nicolas Lindt, «Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom»:
   Porträts, Geschichten & Reportagen aus dem Jahr der «Bewegung»     1980/81. Edition 8, Zürich, 2020. 315 S., kt., CHF 24

• Ausserdem: «Autonomie auf A4»: Wie die Zürcher 
   Jugendbewegung Zeichen setzte. Flugblätter 1979–82,
   Hg. Peter Bichsel, Silvan Lerch. Limmat Verlag, Zürich, 2017.
   288 S., 240 Abb., gb., CHF 58

• Filmtipps: «Züri brännt»: Dok, 1980
    Erich Schmid, «Staatenlos – Klaus Rozsa, Fotograf»: Dok, 2016. 
    Beide Filme auf www.artfilm.ch

• Zum Geschehen in der Region Basel siehe Band «Freiraum in
   Basel. Menschen und Orte in Bewegung seit 1968»:
   Hg. Claudio  Miozzari, Dominique Rudin, Benedikt Wyss.
   Christoph Merian Verlag, Basel, 2018. 224 S., 90 s/w Abb., kt.,
   mit App, CHF 29

• Weitere Infos zu den Achtziger-Unruhen in der Schweiz:
    www.sozialarchiv.ch
    www.woz.ch

 

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