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Sowie zahlreiche weitere
anonyme Spenderinnen und Spender

 

Mit dieser Druckpresse wurden Zuckerrationierungsmarken gefälscht, Foto: zVg

ProgrammZeitung aus dem Sommerheft 2020, S. 24

Delikate Verflechtungen in einer schwierigen Zeit

Irène Speiser

75 Jahre seit Ende des Zweiten Weltkriegs: Das Historische Museum Basel beleuchtet das Leben
in der Region während der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland.

Eine bescheidene Fälscherwerkstatt, angesiedelt in einem Hinterhof von Basel: kaum vorstellbar dieser Tage, solch eine Machenschaft. In den Jahren des Zweiten Weltkriegs indes, als Lebensmittel durchweg streng rationiert wurden, verdienten sich eine kurze Zeit lang einige Menschen ein angenehmes Zubrot mit der Fälschung von Zuckerratio-nierungsmarken. Tatsächlich wurden während einiger Wochen um die 16 Tonnen Zucker illegal an Grossbetriebe verkauft – und damit die allgemeine Bevölkerung um die gleiche Menge Zucker gebracht. Beileibe kein smartes Start-up, kurz vor Kriegsende wurden denn die zwei Hauptini-tianten zu zwölf beziehungsweise 15 Monaten Gefängnis verurteilt. 

Auswirkungen der Diktatur auf Basel. 

Das kleine Gerät, das die Marken hergestellt hat und gerade in eine Handfläche passt, ist eines von circa 150 Exponaten, die ab Ende August in einer Sonderausstellung in der Barfüsserkirche aufliegen und die Wirklichkeit der nationalsozialistischen Diktatur im Nachbarland Deutschland sowie deren Schlagkraft auf den Raum Basel erfahrbar machen sollen. 

Zentrales Anliegen des Historischen Museums Basel ist es, möglichst viele Facetten der Zeitspanne von 1933 bis 1945 zu erkunden: Ein weiter Fächer an Geschichten zu relevanten Individuen, Institutionen oder Unternehmen versucht, unter anderem den spezifischen Alltag in Basel und die hiesigen politischen Verhältnisse zu inspizieren. Auch die Wirtschaft, einschliesslich Grossindustrie und kleinem Gewerbe, und die Flüchtlingssituation werden beleuchtet.

Leihgaben zahlreicher Museen.

Da das Archiv des Historischen Museums sich auf den eigentlichen Krieg konzentriert, ist bloss folgerichtig, dass ein Drittel der Ausstellungsstücke aus weiteren Museen und privaten Sammlungen stammt. So ist die besagte Druckerpresse dem Polizeimuseum Basel entliehen – laut Kurator Patrick Moser für die Schau ein Glücksfall, nicht eben einfach sei es, an signifikante Gegenstände heranzukommen. Nach einer Beschlagnahmung wurden diese oftmals entsorgt, ein Bewusstsein für ihren Erhalt bildete sich erst Jahre nach dem Krieg heran. 

Als wesentlich erachtet das Museum auch das jüdische Basel, wobei sowohl die jüdischen Flüchtlinge als auch die jüdische Gemeinschaft der Stadt thematisiert werden. In diesem Kontext geborgt ist ein «Verpflegungs-Ausweis» (Jüdisches Museum der Schweiz) – einer von vielen, welche damals die Israelitischen Fürsorge Basel herausgab. Unter der Ägide der Israelitische Gemeinde kam dieser nämlich bis ins Jahr 1942 die Verantwortung zu, jüdische «Emigranten» aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern während ihres Aufenthalts in der Schweiz mit Mahlzeiten zu versorgen und allgemein zu betreuen. Zudem findet sich unter den Exponaten die Velokarte des Wahlbaslers Cioma Schönhaus, dessen Buch «Der Passfälscher» (2004) seine Flucht während des Krieges aus Berlin in die Schweiz schildert. Trotz einer abenteuerlichen Passage über die Grenze bei Stein am Rhein gelang es Schönhaus, die Velokarte samt Brustbeutel und Ausweishülle in die Freiheit zu retten – den Ausweis selber entsorgte er selbstverständlich noch rechtzeitig auf Feindesboden. 

Eine gewichtige Ausstellung – und längst nicht nur, weil sie allmählich nebulös erscheinende Geschehnisse allgemein im Gedächtnis zu wahren sucht. Treibt uns doch immer wieder die Frage um, wie wir heute die Zeit der Hitler-Diktatur jüngeren Generationen weitergeben, Menschen, denen diese Jahre der äussersten Grausamkeit oftmals gänzlich fremd geworden sind. 

«Grenzfälle – Basel 1933–1945»: Fr 21.8. 2020 bis So 28.3. 2021, Historisches Museum Basel, Barfüsserkirche, www.grenzfaelle.ch

Eine gleichnamige Begleitpublikation erscheint in der zweiten Augusthälfte: Christoph Merian Verlag, Basel, 2020. 284 S., gb.,
CHF 39

 

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