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V.S. aus Gattikon

 

Sowie zahlreiche weitere
anonyme Spenderinnen und Spender

 

Rücken an Rücken: Barbara Stuten (Mephisto) und Urs Bihler (Faust), Foto: Lucia Hunziker

ProgrammZeitung aus dem Sommerheft 2020, S. 14

Ein Suchender zwischen Himmel und Hölle

Dagmar Brunner

Am Goetheanum kommt eine konzise Neuinszenierung von Goethes «Faust» zur Aufführung.

Vor dem Dornacher Kulturtempel grasen friedlich die (gehörnten) Kühe, während neben dem Haupteingang ein Plakat verkündet, dass hier demnächst eine Tragödie stattfinden beziehungsweise gespielt wird: Goethes «Faust». Ein Kontrast, der auch zum Stück passt, in dem es ums Kleine und ums grosse Ganze, um Gott und Teufel, um Lust und Leid, um Menschen, Mythen und Mysterien geht. 36 Jahre lang hat der Dichter (1749 bis 1832) allein am ersten Teil seines Dramas gefeilt, den zweiten, umfassenderen Teil schrieb er erst im Alter. Fast der ganze Text besteht aus (über 12’000) Versen – eine gigantische Dichtung, die so tief und ernst wie unterhaltsam ist. Alles in allem keine leichte, aber eine lohnende Lektüre. Das Werk hat zahlreiche Kreative aus Literatur, Musik und Film inspiriert, wurde x-fach zitiert und widersprüchlich interpretiert, ist ungebrochen bewegend und aktuell. Es fusst auf einem historischen Stoff aus dem 15./16. Jahrhundert, den Goethe mit eigenen Erfahrungen, Einsichten und weiterem Material verwob. Der lebensmüde Forscher Faust paktiert mit dem Teufel Mephisto und stürzt verjüngt ins pralle Dasein, trifft dabei die Liebe, die er verrät, und irrt sodann (im zweiten Teil) durch verschiedene Epochen, Welten und Zustände, bevor seine Seele im letzten Moment listig gerettet wird. Ein Menschheitstableau. Meist wird nur die Hälfte, «Faust 1», gespielt, da «Faust 2» als schwer verständlich gilt, obwohl es dort um so brisante Themen wie künstliche Menschwerdung, Geld-, Boden- und Machtfragen geht. Goethe versteckte darin «einige Denkübungen», die «mitunter einige Gelehrsamkeit erfordern», wie er 1831 zu seinem Vertrauten Johann Peter Eckermann sagte. Am Goetheanum ist nicht nur der Krimi des ersten Teils, sondern auch die Katharsis im zweiten zu sehen, folgt nach der individuellen die Menschheitsgeschichte. Seit 1938 kommt das Werk hier regelmässig zur Aufführung, bisher über 75 Mal und bis vor Kurzem in voller Länge. Vor vier Jahren wurde erstmals mit vielen Traditionen gebrochen, und nun gibt es eine Neuinszenierung, die nur noch neun (statt 18 oder 22) Stunden dauert und mit ergänzenden Vorträgen über drei Tage verteilt ist. Verantwortlich zeichnet das Regieteam Andrea Pfaehler (Schauspiel) und Eduardo Torres (Eurythmie), das dramaturgisch von Georg Darvas unterstützt wird. Mit einem rund 70-köpfigen Ensemble während der Coronakrise zu arbeiten, sei eine besondere Herausforderung gewesen, sagen sie. Doch die Beteiligten sind glücklich, dass sie dank genügend Platz überhaupt proben konnten – wenn auch mit sehr wenig Zeit und zunächst nur in Kleinstgruppen – und dass sie nun spielen dürfen. Neben einem grossen Sprechchor und Schauspiel kommt die Bewegungskunst Eurythmie prominent zum Einsatz, die sich besonders gut für die Darstellung von Stimmungen und Übersin­nlichem eignet, wobei die Genregrenzen auch mal überschritten werden. Licht und Farbe, Kostüme, Musik und ein minimalistisches Bühnenbild setzen Akzente und geben dem Geschehen Raum.

Weder Opfer noch Helden.

Während die Hauptrollen früher meist durch eine Person besetzt wurden, stellen nun zwei Schauspieler den alten und den jungen Faust dar und vier Personen den Mephisto – darunter eine Frau und ein Eurythmist –, die verschiedene Aspekte des Bösen verkörpern. Trotzdem sei jederzeit klar, um welche Figur es sich handle, sagen die Verantwortlichen. Gretchen und ihr Bruder Valentin werden von Mitgliedern der Jungen Bühne Dornach gespielt, das restliche Schauspielteam sind Profis aus verschiedenen Theatern, die meisten mit einem Bezug zu Rudolf Steiners Anthroposophie. Und was wurde gestrichen? Es sind ganze Szenen, so das Vorspiel auf dem Theater, Auerbachs Keller und der Walpurgisnachtstraum. Wichtig sei ihnen, die Gleichzeitigkeit von Sinnlichem und Geistigem wahrnehmbar zu machen, die ständigen Grenzerfahrungen, sagt Regisseurin und Schauspielerin Andrea Pfaehler. Sie ist erst die zweite Frau (nach Marie Steiner), die den «Faust» am Goetheanum inszeniert. Die emanzipatorische Gestaltung der Rollen ist ihr ein besonderes Anliegen, sie will sie weder in Opfer- noch in He­roenpose. Man wolle ein lebendig-buntes, zugängliches Stück spielen, einen «Faust» für alle, sagt Eurythmist Eduardo Torres. Das trifft sich mit des Dichters Intentionen: Es solle «jedem gut in die Augen fallen», mehr habe er nicht gewollt, äusserte Goethe 1827 zu Eckermann.

Goethes «Faust» 1 und 2: jeweils Fr bis So 10. bis 12.7., 17. bis 19.7., 24. bis 26.7. (mit Vorträgen) und Sa 24./So 25.10., Goetheanum, Dornach, www.faust.jetzt

 

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