Spenden-Tafel

 

 

Stiftung für Medienvielfalt

 

BLKB Jubiläumsstiftung

 

 

Privatpersonen
A.B. aus Kaiseraugst
Anne-Käthi Wildberger
Armin Vogt aus Basel
Atelier für Arbeiten mit Stein
Atelier Gillmann + Co GmbH
B.A. aus Basel
B.K. & B.K.
Balz Raz
Beat Lehmann aus Basel
C. Speitel
C.M. & A.M.
Christian Sutter-Lukanow
D.D. aus Basel
Elisabeth Tschudi-Moser
Eva Herzog
Franziska von Blarer
Hans Furrer
Heiner Dalcher
Heinz Stahlhut
J. Finsterwald
Jürg Ewald
L.B. aus Basel
Linde & Martin Meneghin
M.G.
M.M aus Basel
Marianne Mattmüller
Mathias Bonert
P. Jaccoud
P.S. aus Basel
Regula Rappo-Raz aus Basel
S. Kubli Fürst
S. Scherrer & Benedikt Marzahn
S. Strub aus Basel
S.J. & M.J. aus Therwil
Susanne Wyttenbach
V.S. aus Gattikon

 

Sowie zahlreiche weitere
anonyme Spenderinnen und Spender

 

Angelo Meani, Ohne Titel, um 1950–1977, Foto: Christian Bérard

ProgrammZeitung 03/2019, S. 20

Full House

Isabel Zürcher

Im Aargauer Kunsthaus steht das erste Quartal
unter dem Vorzeichen des Grossen.
‹Big Picture› entwirft im weitläufigen Erdgeschoss einen Parcours mit Werken aus der Sammlung. Nicht nur mit ihrem Raumbedarf setzen Dimen-sionen der meist jüngeren Kunst Massstäbe. Gross sind die lackierten Tafeln, mit denen Adrian Schiess in den 1980er-Jahren das Feld der Malerei neu bestellte. Gross die Ambition von Christian Philipp Müller, die Orte zeitgenössischer Kunst gesamt-schweizerisch zu kartografieren. Doch hat das Überwälti-gende manchmal auch im Klein- und Kleinstformat Platz. Die Vorstellung von Weite findet Unterschlupf auf der Farbhaut eines Aquarellkastens, dem Michel Grillet mit einem Pinselhaar den Sternenhimmel auftupfte.

Grenzenlos scheint die Fantasie, die Anri Sala dem Blatt in winzig beschrifteten Architektursy-stemen anvertraut – und gross die Empathie von Vaclav Pozarek beim bibliophilen Entwurf eines Hauses für Paul Klee. Markus Raetz, diesem Zauberer der Verwandlungen, gelingt – nur mit Faden, nur mit Draht! – das Bild einer bewegten Gesellschaft, ein Muster unablässiger Begegnung von Mensch zu Mensch.

Variable Bedeutungsgrössen.
Wenn Aarau unter dem Vorzeichen des ‹Big Picture› den Blick in seine Bestände öffnet, skizziert das Kunsthaus auch sein Selbstverständnis, mit dem es aktuell Bedeutendes aus der Schweizer Kunst für sich sichert. Dabei lohnt es sich, mit dem dehnbaren Begriff des Grossen den Rundgang fortzusetzen in die historische Sammlung sowie zur Instal-lation der Nachwuchskünstlerin Marie Matusz: Wie zäh-men wir Gespenster? Wohnt das Böse im eigenen Kopf oder kommt es von aussen? Matusz’ von einem tiefen Wummern begleiteten Masken an der Wand könnten kein präziseres Echo sein auf die Zeugnisse jener Kunst, die einem psychischen Leidensdruck abgerungen sind.

Art Brut aus der Schweiz.
Eine Dringlichkeit, Intensität und Direktheit spricht aus
den rund 200 Exponaten, die im fensterlosen Unterge-schoss temporär aus der Collection de l’Art Brut in Lausanne ausgelegt sind. Es war Jean Dubuffet, der auf
der Suche nach einer Kunst abseits der anerkannten Szenen Gefängnisse, Kliniken und Museen aufsuchte. Er hat u. a. Werke der 1964 verstorbenen Aloïse Corbaz entdeckt, die in der psychiatrischen Klinik Cery ihrer ungewöhnlichen Zuneigung zu Kaiser Wilhelm II. Ausdruck verlieh. Er sammelte Wandzeichnungen von Heinrich Anton Müller (1865–1930) und Blätter von dessen Zeitgenossen Adolf Wölfli: Unabsichtlich sollte der einstige Verdingbub der Klinik in Waldau bei Bern den Hauch einer Kreativwerk-statt mitgeben. Keinen Quadratmillimeter hat dieser ‹Geisteskranke› der Gleichgültigkeit überlassen, seine
Bilder sind Briefe, Erzählung und Ornament in einem.

Schrift und Verzierung umkreisen sich und fädeln laufend die Erinnerung an eine archaische Volkskunst mit auf. Dichte Texte voll ernster Expressivität liefern auch die Farbstiftzeichnungen von Berthe Urasco – die Genferin war 1937 als junge Frau in die Heilanstalt Bel-Air eingewiesen worden.

Das Zuhause der Kunst.
Schlicht umrissene Mischwesen drehen ihre Runden auf vergilbtem Packpapier, wo der Bleistift von Jules Doudin der Welt Halt und Namen gibt. Verschwenderisch sind bunte Blüten aufgereiht, Kopffüssler lächeln in immer neuer Einfärbung aus monochromem Hintergrund. Eine grosse Ambivalenz zeichnet die Lektüre dieser sorgfältig präsentierten Werke. Denn so anrührend sie sind in ihrer unzensurierten Naivität und so direkt in ihrer Ansprache: Seit die produktive Hinterlassenschaft aus dem gesell-schaftlichen Abseits den Status von Kunst annimmt, stösst sie dringend die Frage an nach unseren Kriterien der Kategorisierung und Bewertung, mehr noch: nach den Orten und Bedingungen von Kreativität schlechthin. Kunst will mitbestimmen, wie wir uns in Raum und Zeit beheimaten. Auch in Aarau. Renée Levi, Basler Künstlerin mit Wurzeln im Aargau und in Istanbul – sprengt im Obergeschoss mit ‹Bulevistan› jede Übersicht und behauptet im kühnen Grossformat nicht mehr, nicht weniger als eine Signatur. Hier und jetzt mischt Kunst Name und Herkunft, behauptet sich.

•  ‹Big Picture›, ‹Collection de l’Art Brut. Swiss Made› und ‹Caravan›

    mit Marie Matusz: bis So 28.4., Aargauer Kunsthaus, Aarau

•  Ausserdem: Ausstellung ‹Extraordinaire! Unbekannte Werke
    aus Psychiatrischen Einrichtungen in der Schweiz um 1900›:
    bis So 19.5., Thun, www.kunstmuseumthun.ch

 

Highlights

Highlight aus 06/2019

Raum und Zeit zum Zuhören

Ein Langzeitprojekt von Mats Staub beleuchtet ‹Death and Birth in My Life›.

Highlights

Highlight aus 06/2019

Fotografie im Fokus

Die ‹photo basel› stellt einen reichen Bilderfundus aus.

Highlights

Highlight aus 06/2019

Politisch pointiert

Das 9. Bildrausch Filmfest lädt zu besonderen visuellen Erlebnissen ein.

Highlights

Highlight aus 05/2019

Neue Plattform
für eine intime Kunst

Ein Festival für das Lied.

Highlights

Highlight aus 05/2019

Bühne frei für alle!

Das Wildwuchs Festival lädt zu vielschichtigen Begegnungen ein.

Highlights

Highlight aus 05/2019

Eulen- und Menschenliebe

Ausstellung mit Werken des Grafikers
und Malers Celestino Piatti.

Highlights

Highlight aus 04/2019

Ressource Verwundbarkeit

Das Festival ‹It’s the real thing› – Dokumentartage thematisiert den Körper.

Highlights

Highlight aus 04/2019

Kluge Katzen und
Kaffeehausnixen
Joann Sfar ist im
Cartoonmuseum zu Gast.

Highlights

Highlight aus 04/2019

Auf dem Weg in die
Zukunft des Blues

Das Blues Festival Basel 

Highlights

Highlight aus 03/2019

Ein geniales Jugendwerk

Arthur Honeggers ‹Le Roi David›
mit der Basel Sinfonietta und dem
Basler Bach Chor.