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Sowie zahlreiche weitere
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‹Nur Tote singen schöner›, Foto: David Schwarz

ProgrammZeitung 02/2019, S. 18

Grösste Kellen im kleinen Topf

Verena Stössinger

Krimimusical ‹Nur Tote singen schöner› im Vorstadttheater.

Ein Ehepaar betreibt in Finnland eine Pilz-Exportfirma. Sie läuft gut, das Leben könnte gerne so weitergehen, da wird der Mann plötzlich krank. Todkrank, sagt sein Arzt: Jemand hat ihn vergiftet. Der Mann ist schockiert, will mit seiner Frau darüber sprechen und entdeckt, dass sie «hinter seinem Rücken noch ein ganz anderes Leben hat», wie Matthias Grupp sagt. Da muss er zumindest noch den Täter finden. Oder die Täterin. Diese Szene ist der Ausgangs-punkt für die rasante Geschichte, die Regisseur Matthias Grupp, das Spielduo Gina Durler und Dominique Müller und Dramaturg Ueli Blum uns allen (ab 10 Jahren) in ihrer neuen Hausproduktion erzählen. Ein Krimi mit Spannung, Moral, Schuld und Sühne. Allerdings in Form eines Musicals – denn auch musikalisch ist die Truppe stark, wie u. a. die Wiederaufnahme von ‹Frau Kägis Nachtmusik› beweist.

Grosse Fragen, grosse Muster.

Das Musical ist selbst geschrieben und durchkomponiert im Swing-Stil (live auf der Bühne: Florian Grupp, Martin Gantenbein, Marco Nenninger) und wird inszeniert in der Ästhetik des Film noir, wie er in den 1940er- und 1950er-Jahren in den USA beliebt war: in starken Hell-Dunkel-Kontrasten, mit einem verunsicherten Helden und schrägen Perspektiven. Finnland schliesslich, als Handlungsort, könnte an Kaurismäki denken lassen und seine hilflosen Helden in ihren leer geräumten Welten; die Bühne (Fabian Nichele) wird jedoch eine grosse Showtreppe sein, und auch die Themen, die angeschnitten werden, sind gross. Es sind Fragen wie: Wer ist Freund, wer Feind? Wer ist ehrlich, wer verstellt sich? Wem kann man noch vertrauen, wenn die Atmosphäre (im wörtlichen Sinne) vergiftet ist? Und wie geht einer, der sich eben noch mitten im Leben wähnte, mit der Tatsache um, dass er bald sterben muss? Und wie passt das schliesslich alles auf die kleine Bühne und ins schmale Budget des Vorstadttheaters? «Mit den grössten Kellen wird im kleinen Topf gerührt», heisst es in der Stückdokumentation. Matthias Grupp lacht. «Wir haben einfach überlegt», sagt er, «was wir am liebsten machen wollen. Und da standen Krimi und Musical ziemlich schnell fest.» Die Truppe ist eingespielt, hat ihren Theaterstil gefunden – und dass es ihr gelingt, auch ‹grosse Kisten› lustvoll und souverän zu stemmen, hat schon die klangsatte, schweisstreibend physische Eigenproduktion ‹Kopf hoch! Tanzen!› von 2014 gezeigt. Auch eine Art Musical. Wir können uns freuen.

• ‹Nut Tote singen schöner›: ab Sa 23.2., 20 h, Vorstadttheater,
    St.-Alban-Vorstadt 12

 

 

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