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Tilo Richter • Foto: Fee Peper, Arts Vivants Produktionen

PriCülTür 2018: Laudatio

Tilo Richter

Was Barbara Buser in Bewegung bringt und mit wem sie das tut, füllt manche Seite. Viele ihrer Weggefährtinnen und Weggefährten sind heute Abend hier. Barbara hat immer wieder betont, wie wichtig ihr diese treue Beglei­tung ist, sie sei die entscheidende Basis, um gemeinsame Projekte überhaupt langfristig denken zu können.

Mit Klara Kläusler begann die Geschichte der Bauteilbörse, Eric Honegger und Tina Ekener waren Barbaras erste Partner beim baubüro in situ, das hier im Unternehmen Mitte seine Wurzeln hat. Eric Honegger, Pascal Bieder­mann, Irene Wigger, Matthias Scheurer und Thierry Boss­hard sorgen mit der Kantensprung AG für den Höhenflug des Gundeldinger Felds. Einmal mehr Eric Honegger und mit ihm Pascal Biedermann und Tabea Michaelis ziehen die Fäden bei der denkstatt; Eric und Pascal führen darüber hinaus den Verein unterdessen, der sich explizit Zwischen­nutzungen annimmt. Eric Honegger, Heiner Karrer, Peter Liebmann und Franco Bilotta gehörten zum Team, das das Liestaler Hanroareal nach dem verhinderten Abriss auf ein neues Gleis gesetzt hat. Gregor Dill und Christoph Schön haben mit dem Verein Textilpiazza nicht nur die materielle Geschichte der Textilfirma Hanro zu bewahren geholfen, sondern ein ganz neues textiles Kapitel am Benzburweg aufgeschlagen. Auf dem Predigerhof in Reinach, einem der jüngsten Wiederbelebungsprojekte von Barbara Buser, ist es erneut Eric Honegger, der gemeinsam mit ihr und einem zwölfköpfigen Team die Fäden zieht. Dort steht der Neu­start unmittelbar bevor.

Dass Barbara das alles nicht allein macht, gar nicht allein machen kann, liegt auf der Hand. Dennoch habe ich selten so viel Teamwork gesehen, wie in Barbaras Umfeld. Ich glaube, wir haben uns noch nie unter vier Augen unter­halten. Das empfinde ich aber überhaupt nicht als Manko, weil die Arbeit in der Gruppe bei ihr völlig logisch ist. Kennengelernt habe ich das bei unseren gemeinsamen Zugfahrten von Basel nach Winterthur, am Donnerstag­morgen, 7.07 Uhr, ab Gleis 7. Kaum, dass alle im Speisewagen sassen, wurde ohne Unterbrechung bis zur Ankunft auf dem Lagerplatz-Areal der Stiftung Abendrot gearbeitet. Die Donnerstagsfahrt auf den Lagerplatz in Winterthur, einem zentralen Projekt der letzten Jahre, ist im Übrigen nur einer von ungezählten fixen Terminen in Barbaras Agenda: Dienstag Markthalle, Dienstagabend Münsterfähri, Mittwoch Ziegelhof Liestal usw. usf.

So viel zu dem, was Barbara macht. Um zu verstehen, was Barbara mit ihrem Tun bewirkt, muss man allerdings genauer hinschauen, was ich an einem Beispiel machen werde. Als ich letzte Woche eines der von Barbara transfor­mierten Gebäude besuchte, schrien sich vier Herren in dunkelblauen Business-Anzügen hektisch an. Sie verrenk­ten sich, sprangen mit starrem Blick nach unten immer wieder in die Höhe, je zwei von ihnen johlten aller paar Minuten frenetisch. Vier Banker aus dem Hause Sarasin waren am ‹Töggelichaschte› schwer beschäftigt …

Gleich nebenan passierte etwas ganz anderes: Ein Mann, ordnungsgemäss mit einer bodenlangen Schürze, Gummi­handschuhen und einem Haarnetz ausgestattet, beugte sich in einem klinisch reinen Raum über einen grossen Kessel und zog sorgfältig und mit sehr gleichmässi­gen Bewe­gungen eine Käseharfe durch dick gewordene Milch. An der Theke im Raum daneben bot eine freundliche Dame gut 50 Sorten Käse feil. Keine zwanzig Meter weiter residierte der Herr über 73 verschiedene Schraubendreher. In seinem kleinen Reich türmten sich lädierte Plattenspieler und Staubsauger, Tischleuchten und Personenwaagen, die ihrer Wiederbelebung durch den fachkundigen Reparateur harren.

Noch ein paar Schritte weiter eine wiederum völlig andere Welt: Eine ausgesucht freundliche Asiatin beugte sich wie in Zeitlupe über zwölf Vorratsgefässe und schöpfte mit eleganten Bewegungen Eis kugeln empor, deren Ge­schmacks­richtungen man nirgends sonst je zuvor begegnet ist. Zwölf Sorten würden auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes nur ein müdes Lächeln provozieren, denn dort ging es nicht um Eis, sondern um Bier. Endlose Regalreihen des Gerstensaftes aus mehreren Hundert Brauereien warteten hier geduldig darauf, getrunken zu werden.

Es ist klar, es geht um die Markthalle. Auf ihrem langen, fast einhundert-jährigen Weg vom Grosshandelsplatz für Obst und Gemüse zum neuen «Bauch von Basel» war sie auch schon mal eine zünftige Investruine. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen, obwohl es nur ein paar Jahre her ist. Hier hat Barbara Buser mit dem Team der Markthallen AG um Eric Honegger, Alex und Gregor Dill, Christoph Schön und Valentin Ismail innerhalb kurzer Zeit ein schier unglaubliches Biotop von Anbieterinnen und Anbietern zusammengebracht. Ich habe mich immer mal wieder gefragt, wo denn all die Menschen vorher waren? Bis ich verstanden habe, dass es hier und an vielen anderen umgenutzten Orten genau darum geht: Es sollen neue Möglichkeiten der Entfaltung im städtischen Raum entste­hen. Räume wie die Markthalle inspirieren offenbar die Menschen, etwas zu wagen, etwas auf die Beine zu stellen, das woanders eben kaum möglich gewesen wäre. Eines von Barbaras Credos lautet deshalb nicht zufällig: «Etwas entstehen zu lassen, bedingt, dass man einfach mal anfängt und dann schaut, was geschieht.»

Was Barbara von vielen Menschen unterscheidet: Sie sucht nicht nach richtigen Antworten, sondern stellt die richtigen Fragen. Auch ist es nicht ihre erste Sorge, was schiefgehen könnte, sondern vielmehr, was möglich ist. Was spricht dafür? Und nicht: Was spricht dagegen? Wagemut statt Zweifel, Gedanken statt Bedenken, halbvoll statt halbleer. Schon mehrmals fühlte ich mich beim Blick auf Barbaras Projekte erinnert an den Film ‹Camille Claudel› mit Isabelle Adjani als Claudel und Gerard Depardieu als Auguste Rodin. Darin gibt es eine – im Film selbst eher bei läufige, aber dennoch – sehr berührende Szene: Ein kleiner Junge aus der Nachbarschaft des Ateliers beobachtete die Bild­hauerin aufmerksam bei ihrer Arbeit an einer grossen Statue. Camille Claudel schlug aus einem riesigen Marmor­block eine lebensgrosse Figur, die schon deutlich zu erken­nen war. Der kleine Junge betrachtete lange und aufmerk­sam das entstehende Kunstwerk und fragte schliesslich ganz erstaunt: «Camille, woher hast du gewusst, dass dieser Mann in dem Stein lebt?» Die Fähigkeit, im Einen auch das Andere zu sehen, etwas Neues zu denken, sich beim Denken nicht einzuschränken und das Unnötige zu entfernen – darin scheinen mir Camille Claudel und Bar­bara Buser sehr ähnlich zu sein. Es sind also schöpferi­sche Prozesse, die ablaufen, wenn es um kreative Umnutzung geht. Vor dem Umnutzen kommt das Umdenken!

Was viele Aussenstehende nicht sehen, nicht sehen können und auch nicht sehen müssen: Die Projekte, in denen Barbara Buser Feder führt, sind keineswegs alimentierte ‹Rosinen›, die mit einer ökonomischen carte blanche unter­wegs sind. ‹Non Profit› kann ein Konzept sein, bei Barbaras Projekten ist es aber eher die Ausnahme. Sie selbst beschreibt es als ‹Not for Profit›, weil es niemanden gibt, der mit den Umnutzungen Gewinne generieren muss.
Schwarze Zahlen sind Pflicht, wuchtige Renditen nicht.

Ja, das Geld und die Menschen – keine einfache Beziehung. Dieser Tage betrachtete ich nach einer Runde ‹Fünfliber­klopfen› das Fünf-Franken-Stück etwas genauer. Ihr nomineller Wert macht sie zur wertvollsten Kursgeld-Münze der Welt; uns wird also besondere Verantwortung übertragen, wenn wir sie ausgeben. Das Geldstück trägt auf seinen beiden Schauseiten unterschiedliche Motive, einen Menschen und eine Zahl. Liegt es auf der Kopfseite, sehen wir die Fünf und den Wappenschild mit Schweizerkreuz; liegt es auf der Zahlseite, sehen wir das Brustbild eines Alphirten. Das hat starken Symbolcharakter, denn schauen wir beim Geld nur auf den Menschen, geraten die Zahlen aus dem Blick. Schauen wir nur auf die Zahlen, verlieren wir die Menschen aus den Augen. Beides ist nicht gut. Da aber Barbara Buser Architektin ist, und nicht nur in zwei, sondern in drei Dimensionen denkt, erweist sich der Fünfliber als komplexer: Genaugenommen hat nämlich die ‹Medaille› eben nicht nur die sprichwörtlichen zwei Seiten, sondern deren drei! Kippt man die Münze auf ihren schmalen Rand, kommen plötzlich beide Aspekte gleich­berechtigt zum Tragen: der Mensch und die Zahl. Es ist eine Gratwanderung, aber das Geld kommt in Schwung, der Rubel kommt ins Rollen, die Münze lässt sich drehen und ihre beiden Seiten sind nicht mehr voneinander getrennt.

Liebe Barbara, gern gebe ich Dir diesen Fünfliber als bescheidene Anschubfinanzierung für Dein nächstes Projekt. Alles Gute und herzlichen Glückwunsch zum PrixCülTür 2018!

 

PriCülTür

PriCülTür 2018: Laudatio

Tilo Richters Laudatio
zu Ehren von Barbara Buser

Foto: Fee Peper, Arts Vivants Produktionen

PriCülTür

Pionierin der Nachhaltigkeit

Barbara Buser erhält den
10. Kulturpreis der ProgrammZeitung

Foto: Martin Zeller

PriCülTür

PriCülTür 2016: Laudatio

Rudolf Bussmanns Laudatio
zu Ehren von Annemarie Pfister

Foto: Fee Peper, Arts Vivants Produktionen

PriCülTür

Small is beautiful

Annemarie Pfister erhält den
9. Kulturpreis der ProgrammZeitung

Foto: Nils Fisch

PriCülTür

Die Gastfreundin

Claudia Roth erhält den
8. Kulturpreis der ProgrammZeitung

Foto: Peter Schnetz

PriCülTür

Eigene Welten schaffen

Christian Schuppli erhält den
7. Kulturpreis der ProgrammZeitung

Foto: Claude Giger

PriCülTür

Für Kinder nur das Beste!

Sylwia Zytynska erhält den
6. Kulturpreis der ProgrammZeitung

Foto: Ken Karp

PriCülTür

Unzähmbarer Gestaltungswille

Christoph Meury erhält den
5. Kulturpreis der ProgrammZeitung

Foto: Mischa Christen

PriCülTür

Expertinnen für Emotionen

S. Schweizer und R. Gysin erhalten den
4. Kulturpreis der ProgrammZeitung

Foto: Online Reports

PriCülTür

Ein wacher, produktiver Kopf

Helmut Bürgel erhält den
3. Kulturpreis der ProgrammZeitung

Foto: Ute Schendel

PriCülTür

Flair für Fremdes

Helene Schär erhält den
2. Kulturpreis der ProgrammZeitung

Foto: Dagmar Brunner

PriCülTür

Mitfühlend und ordnend

Jakob Tschopp erhält den
1. Kulturpreis der ProgrammZeitung

Foto: Philipp Jeker

PriCülTür

Der 1. PriCülTür

Der Kulturpreis
der ProgrammZeitung

Dagmar Brunner